Auszug aus der Waiblinger Zeitung am 27.03.04
Das komplette Arsenal zum Thema Waffen der Frau findet sich ab jetzt auf der Mini-Bühne des „Theaters an der Linde“ in Strümpfelbach. „Mord und Taktschlag“, ein formvollendetes, ein formidables Kunststück der Sängerin und Sprecherin Birgit Nolte-Michel.
Haben’s wir Männer nicht immer gesagt? Verschlagen ist das Weib, femme fatal, femme mortal. Und die Birgit Nolte-Michel spielt auch noch mit unserer Lüsternheit am eigenen Untergang, wenn sie gleich in der Eingangsszene das Hackebeilchen neckisch schwingt und dazu ein einlullendes Lied singt: „Mit roten Rosen fängt es meistens an, doch was kommt dann ...“
Es braucht schon ein mortal geschicktes Händchen, ein Programm zusammenzustellen, das alles in der Schwebe hält, den Dolch inklusive. Es sind diese Gegensatzpaare im selben Atemzug, diese Kunst der Anziehung und Abstoßung zugleich, die einem einen Schauer über den Rücken laufen lassen.
Birgit Nolte-Michel weiß einen wunderbar morbiden Mezzo-Sopran in lichte Höhe zu führen. Sie, die diplomierte Sprecherzieherin weiß auch, wie sie die Süffisanz im Mundwinkel zur Droh-Miene gefrieren lässt. Sie agiert als Gesamtkünstlerin und wäre doch nicht ganz komplett ohne die Dienste eines Ulrich Schlumberger, der mit seinem Akkordeon alles hinkriegt: den schmusigen Muzette-Walzer genauso wie das lautmalerische Verröcheln aus dem Blasebalg.
Auch wenn Mann hier einige Tode gestorben ist in den anderthalb Stunden: Wenn es denn sein muss, dann solchermaßen artifiziell.
Auszug aus der Stuttgarter-Zeitung am 03.04.04
„Mit roten Rosen fängt die Liebe meistens an“, singt Birgit Nolte-Michel mit klarer Stimme. „Doch was kommt dann?“ Und während sie singt und versonnen lächelnd langsam vorwärts schreitet, kommt ganz beiläufig ein Beil in ihrer Hand zum Vorschein. In ihren Augen blitzt etwas Mörderisches, vermischt mit einer Prise Schalk, als stehe den Anwesenden etwas Lustiges, etwas rasend Lustiges bevor. Und zwar mit einem Beil.
Die Perfidie der Männer, die entweder durch Größenwahn, Achtlosigkeit oder ständig gezeigte Missbilligung ihr Schicksal selbst heraufbeschworen haben, wird mit exquisiten Methoden vergolten. Ob mit dem Beil, dem Fleischermesser, einem Fläschchen Gift oder Sonnenöl: Mit diebischer Vorfreude wartet der Zuschauer auf die nächste Schandtat und merkt erst hinterher, wie er zum Komplizen gemacht wird.
Das Opfer hat die Wahl: geschnetzelt oder gehackt.
Ein Tröpfchen Gift bringt erst die richtige Würze in Tee und Gebäck.
Nur wenige Requisiten sind notwendig und als Orchester nur ein Musiker, aber was für einer: Uli Schlumberger spielt virtuos, sagt kein Wort, lässt aber seine Mimik umso mehr sprechen. Gepielt werden Schmachtfetzen, die den schwarzen Humor noch eine Spur böser machen.