Et voilà - Edith Piaf

Eine theatralisch, musikalische Hommage an die große französische Sängerin

Ziemlich genau ein Jahr nach Eröffnung des Saustalls als Kleinkunstbühne bringen wir unsere zweite abendfüllende Eigenproduktion auf die Bühne. "Et voilà - Edith Piaf" ist eine musikalisch-theatralische Hommage an die große französische Chanson-Sängerin, eine Kombination aus Schauspiel, Gesang und filmischen Elementen.

Mit Birgit Nolte-Michel (Gesang),
Oliver Nolte (Schauspiel + Regie) und
Michael Lauenstein (Konzertakkordeon)
 
 

Pressestimmen

Auszug aus der Waiblinger Zeitung am 03.12.04

Die große kleine Edith Piaf, der "Spatz von Paris". Viele Sängerinnen haben wie sie zu klingen versucht. Haben ihren derben Duktus treffen, ihre Größe einer Großstadtpflanze erreichen wollen. Was unter rein gesangstechnischen Aspekten bei einer Autodidaktin, die von früher Kindheit an auf der Straße Gassenhauser geträllert hat, möglich sein sollte. Die Schwierigkeit schien eher darin zu liegen, jenen maximalen Lebens- und Liebeshunger der Piaf, für den die spätere Morphinistin so berühmt wie berüchtigt war, glaubhaft über die Bühne zu bringen. Das heißt, die Befindlichkeiten dieser einmaligen Künsterpersönlichkeit, die laut ihrem Teilzeit-Liebhaber Georges Moustaki "starb, weil sie sich langweilte", ebenso zu verstehen wie die Chansons, die hier klingen sollten wie dem wahren Leben abgerungen.

Das Theater an der Linde versucht mit seiner neuen Produktion "Et voilà - Edith Piaf" beides: ihrer Musik wie ihrem Leben gerecht zu werden. Und es hat klugerweise darauf verzichtet, so zu tun, als gehe es ganz nah ran an die "wirkliche" Piaf. Denn die ist eben von keinem und schon gar nicht von der große gewachsenen Birgit Nolte-Michel glaubhaft zu verkörpern. Vielmehr baut die Inszenierung (Regie: Birgit und Oliver Nolte) überall Distanzierungen ein, die wichtigste: eine Rahmenhandlung. Birgit Nolte gibt nicht "die Piaf", sondern eine Sängerin, die von ihr fasziniert ist und ihre Lieder singt, und Oliver Nolte spielt einen Autor, der mit seinen literarisch-biografischen Annäherungen an die Chansonette scheitert, zumindest keinen Verlag findet.

Das Spiel um eine große Sängerin und das, was sie im Leben zweier Bewunderer anrichtet, nutzt vielfältige dramaturgische Kniffs, zum einen, um den winzigen Spielort im Strümpfelbacher "Saustall"-Theater optimal zu nutzen, zum anderen, um jene notwendige Distanzierung durchzusetzen. Ein Film- und Diaprojektor wirft schattenhaft blasse Bilder von Piafs "wirklichem" Leben, das einem Groschenroman entlehnt scheint, auf dünne Tücher und bringt bekannte Gesichter ins multi-mediale Spiel, etwa das ihrer Vertrauten Marlene Dietrich. Oder es kommt ein kleines Diktiergerät zum Einsatz, mit einem Gespräch des Autors und der Sängerin über die Piaf. Oder Ulrich Schlumberger am Akkordeon, der "musical director" des Abends, setzt sich einen Zylinder auf, um die USA-Periode der Piaf mit Auftritten etwa in Las Vegas zu charakterisieren, während der Saustall um ihn mit kleinen Lämpchen zusätzlich für eine Showtime-Stimmung geschmückt wurde.

Auch der Ablauf dieses gelungen Chanson- und Theaterabends hat etwas Serielles, somit Distanzschaffendes: Erst kommt immer eine kleine Spielszene, zunehmend am Boden des winzigen Kleinkunst-Refugiums, wo Oliver Nolte als dem Alkohol verfallender Autor zwischen leeren Weinflaschen Zeitgenossen der Piaf zitiert oder Kluges über die Zielperson von sich gibt.

Und dann folgt immer etwas, das dem Abend erst so richtig Charakter und Charme gibt: Die Gesangsvorträge Birgit Noltes. Sie mag rein äußerlich kein Spatz sein, hat eine tiefere (Alt-)Stimme als die Piaf, singt auch nicht zu großem Orchester, sondern zu der grandiosen Akkordeon-Begleitung. Aber es wird immer mucksmäuschenstill, wenn sie mit hörbar geschulter Stimme loslegt: "Johnny, tu n'es pas un ange", "Mon Dieu", "La vie en rose" - sicher, es sind herzergreifende Gassenhauser, es sind weltbekannte Weisen, es sind Hits. Und doch wären es nur Nichtigkeiten, wenn nicht eine große Stimme sie mit Drama, Herz und Verstand zu füllen wüsste. Und dies schafft die Nolte, ganz deutlich als Schauspielerin mit vielen kleinen und großen Gesten, aber ganz sicher auch als Sängerin mit Stimme und Charisma.

Und so ist die "Saustall"-Betreiberin zwar nicht der Spatz von Paris, dafür aber Birgit Nolte, die Lerche von Strümpfelbach. Was uns hier zu Lande viel lieber sein dürfte.



Auszug aus der Stuttgarter Zeitung am 27.11.04

"Ein Jahr Kultur im Saustall" vermeldet das kleinste Theater der Region Stuttgart. Im ehemaligen Schweinestall umd im ehemaligen Vorkeller eines mehrere hundert Jahre alten Wengerterhauses an der Strümpfelbacher Hauptstraße wird seit November vergangenen Jahres Theater gemacht. "Mord und Taktschlag" hieß die erste Produktion des Schauspieler- und Autorenpaares Nolte-Michel, mit viel schwarzem Humor und einer ganz neuen Erfahrung für die Zuschauer. "Man hat das Gefühl, auf der Bühne zu sitzen", sagte eine der ersten Besucherinnen des jüngsten Stücks, des Chanson- und Theaterabends "Et voilà - Edith Piaf", das gestern Abend Premiere hatte.

Statt eines "normalen Liederabends" nur mit Chansons der legendären Sängerin wird deren Lebensgeschichte und das Schicksal zweier Menschen gezeigt, eines Schriftstellers und einer Sängerin, das mit dem der Piaf eng verbunden ist. Beide sind von ihr fasziniert, ihre eigenen Erfolge bleiben jedoch aus. Sie singt statt auf der Bühne in kleinen Bars, seine Biografie über Edith Piaf wird abgelehnt. Zu kalt, ohne Herz sei sie geschrieben, urteilt der Verleger, was den Autor ins Herz trifft.

In dem winzigen Theater im Saustall entstehen mit wenigen Requisiten und einem Projektor drei, manchmal vier Räume. Die Bar ist nichts anderes als der ehemalige, nun mit einer Lichterkette verzierte Schweinekoben, in dem wieder einmal der Konzertakkordeonist Ulrich Schlumberger Platz genommen hat. Mal hat er einen Zylinder auf, mal, als Straßenmusikant, eine Mütze und eine Sonnenbrille. Das kleine Zimmer der Sängerin wird durch ein Klappbett an der Eingangstür herbeigezaubert, der Beleuchter, der außen über einen Monitor seine Einsätze koordiniert, spielt den erzürnten Nachbarn, der gegen die Tür wummert, wenn zu laut gesungen wird. Zwölf Lieder der Piaf sind zu hören, bekannte wie "Padam padam", "Les flonfons du bal" Und "La vie en rose" sowie nicht gar so bekannte.

Die beiden Theater - im Saustall mit 30 Plätzen und im Vorkeller mit 50 Plätzen - sind das ganze Jahr über gut ausgebucht. 55 Veranstaltungen mit insgesamt 1700 Zuschauern verzeichnet die erste Jubiläumsbilanz. Dazu kommen noch mehrere Sondervorführungen von "Mord und Taktschlag" außerhalb Strümpfelbachs, unter anderem in der Remstalkellerei. 2005 wird das Programm fortgeführt, außer mit Mord und Chanson auch mit dem Stück "Die Schöne und das Biest" und einem zweiten Strümpfelbacher Theatersommer. Man darf gespannt bleiben.

Auszug aus den aktuellen Nachrichten des s'Blättle, 09.12.2004

Der Chanson- und Theaterabend erzählt von einer Sängerin in Paris, die der großen Piaf nacheifern will und einem Autor in New York, der eine Biographie über die große französische Sängerin an einen Verlag bringen will. Trotz aller Anstrengungen der beiden bleibt ihr Erfolg aus. Die Bilder des Erfolgs und der Erfolgslosigkeit, der Kraft und Kraftlosigkeit, der bedingungslosen Hingabe an das Leben und an die Liebe vermischen sich sowohl in den gespielten Szenen als auch in den Darstellungen der Geschichte der Edith Piaf und machen den Abend ausgesprochen spannend.