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Kreisler singt Kreisler


Die unbekannten Chansons von Georg Kreisler

Es ist für einen Künstler nicht angenehm, in alle Ewigkeit mit den 
berühmten Eltern in einem Atemzug genannt zu werden, 
aber wenn man sich dem gehobenen deutschsprachigen Chanson 
verpflichtet, kommt man um die Werke von Georg Kreisler nicht herum.

Man wird allzuleicht als "Fussstapfentreter" apostrophiert. 
Da zudem die vorherrschende Meinung zu sein scheint, es sei leichter, 
die Lieder des eigenen Vaters zu singen als irgendwelche anderen,
 bemühte ich mich gegen meinen Willen lange, möglichst wenige 
dieser grossartigen Chansons in meinen Programmen zu präsentieren.
Georg Kreisler gab nun aber bereits Mitte letzten Jahres 
seine Abschiedstournee. Viele seiner Lieder werden 
zwar noch von jungen Kabarettisten am Leben gehalten,
 hier aber in erster Linie die Publikumshits 
wie "Tauben vergiften" , "Zwei alte Tanten" oder der "Musikkritiker". 
Das scheint mir immer ein wenig wie das Anbeten der Asche, 
anstatt einem Weiterreichen der Flamme.

Also entschloss ich mich vor einiger Zeit 
aus der Not eine Tugend zu machen, 
und ein komplettes Programm mit
vorwiegend unbekannten - z.T. auch unveröffentlichten! - Kreisler-Chansons 
zusammenzustellen.
Das Programm beinhaltet Lieder und Texte aus den Jahren 1960 bis 2000. 

Ich möchte damit eben nicht nur den klassischen "Kreisler-Fan" 
ansprechen, sondern vor allem aufzeigen, dass viele Lieder 
dieses einmaligen Autors und Komponisten von zeitloser Grösse 
und Aktualität sind, und damit mithelfen, sie quasi in das 21. Jahrhundert herüberzutragen. 

In dem Programm begebe ich mich wie gesagt ein wenig auf's Glatteis, 
die Tochter singt die Lieder des Vaters
- das öffnet Tür und Tor jeglichem Epigonie-Vorwurf.

 Dennoch hoffe ich, dass die Auswahl und Interpretation 
der Chansons klar macht, dass es mir hier bei Weitem 
nicht nur darum geht, mich an einen "grossen Namen anzuhängen"
- oder gar Privates mit Beruflichem zu vermischen. 



Im Gegenteil. Georg Kreisler hat oftmals in seinen Schriften klar gemacht, 
dass er mit Kindern nicht allzu viel anzufangen weiss, 
und folgerichtig hat er auch weder zu mir noch zu meinen beiden Brüdern irgendeine Beziehung.
 Den letzten engeren Kontakt hatte ich Anfang der 80er Jahre, 
Anfang der 90er habe ich das letzte Mal kurz mit ihm gesprochen.
Seit dieser Zeit reagiert er auch nicht mehr auf Zuschriften. 

Diese Haltung muss man akzeptieren. Ich weise auch hier nur deshalb darauf hin, 
um den Zusammenhang Vater/Tochter zu relativieren.



In diesem Programm geht es um den Künstler Georg Kreisler.

 Dennoch habe ich natürlich durch meine Herkunft einen 
besonderen Zugang zu seiner Arbeit, und eben vor allem auch
 zu Texten und Chansons, die einer breiten Öffentlichkeit bisher 
verborgen waren.

 Dies, so hoffe ich, trägt dazu bei, dass dieser Abend auch für
 die intimsten "Kreisler-Kenner" etliches an Neuem zu bieten hat.
 
Nachsatz

Nachdem ich dieses Programm nun schon einige Zeit gespielt habe, muss ich folgendes feststellen: Das Publikum liebt es, aber die Journalisten scheinen sich - ganz egal was ich mache oder sage -
immer nur darauf festzulegen, dass ich dieses Programm spiele, weil ich zufällig mit Georg Kreisler verwandt bin - und dass das singen seiner Chansons irgendeine private Bedeutung für mich hätte.

Ich muss erkennen, dass es für mich als Diseuse wenig sinnvoll ist, wenn ich die Lieder weiter zu Gehör bringe, da meine künstlerische Arbeit dadurch immer weniger zur Kenntnis genommen wird.

Daher werde ich im Sommer 2004 eine CD mit den schönsten Liedern aus dem Programm aufnehmen, denn wie gesagt: Das Publikum liebt sie, und das Publikum ist nicht schuld an der Ignoranz und Oberflächlichkeit der Kritiker.
 Aber ob ich das Programm nach der Herbst-Tournee noch weiter spielen werde, ist zumindest aus heutiger Sicht sehr fraglich.

Georg Kreisler hatte Recht, als er verlangte, Kritiker seien abzuschaffen. 
Sie schaden den Werken der Künstler mehr, als sie je nützen könnten.

Mir wird diese Erkenntnis indes wenig bringen, den inzwischen ist es egal, ob ich mich entschliesse, die Lieder am Leben zu erhalten, oder ob ich sie verweigere. Kein Journalist wird je den Grund dafür in SEINEM Verhalten suchen. Immer wird es heissen, die "Verwandtschaft" sei schuld.