"Kabarett der rote Stuhl" ist Steh-Greif-Kabarett. Denn Thomas Kreimeyer ist ein sich unterhaltender Unterhalter und nimmt das Leben beim Wort, wirklich beim Wort. Er kommt mit den Zuschauern ins Gespräch und schon entsteht Unterhaltung. Daraus entstehen Situationen, die Sie nicht für möglich halten.
Mit nichts als einem kleinen roten Plastikstuhl und einer Eieruhr kommt er auf die Bühne, pirscht sich heran, greift die Impulse der Gäste auf und lässt so den Abend entstehen, während er stattfindet.
Das Publikum ist sein Mitspieler - sein Trampolin, auf dem er wortakrobatische Luftsprünge vollführt. Kreimeyer ist direkt, aber zugleich charmant. An einem einzigen Kreimeyer-Abend kann vom Lustspiel übers Drama bis zum Kabarett alles geschehen. Und das tut es auch.
>Spielplan>KartenPressestimmenSüddeutsche Zeitung, 8. Juni 2007
Mach es wie die Eieruhr
Thomas Kreimeyer eröffnet die Berliner Gastspiele im Heppel
Zwei Dinge bringt Thomas Kreimeyer mit auf die Bühne: einen kleinen roten Plastikstuhl und eine Eieruhr. Ersterer hat „keine essentielle Bedeutung, er ist einfach mit dabei“. Falls man sich intellektuell überfordert fühle, könne man darauf schauen und eine kleine Auszeit nehmen. Die Eieruhr dagegen hat eine entscheidende Funktion, denn Kreimeyer arbeite auf Zeit. Ein Eieruhrdurchlauf: Pause. Zwei Eieruhrdurchläufe: Ende der Veranstaltung. Da weiß man, worauf man sich eingelassen hat. „Das ist zu ihrer Sicherheit“, betont Kreimeyer, der in seinem schnieken grauen Anzug und seinem roten T-Shirt gar nicht so aussieht wie ein Kabarettist. Er ist auch nicht wie anderer seines Fachs. [...] Kreimeyer jedenfalls [..] hat keine vorgefertigten Texte dabei. Nur ein Konzept, das heißt: „Ich nehme, was kommt, und versuche, was daraus zu machen.“
Der Abend entsteht, während er stattfindet. Kreimeyer sucht das Gespräch mit den Zuschauern und macht sich einen Reim auf das, was sie sagen. Manchmal ist das gar nicht mehr nötig, dann sind die Antworten der Zuschauer schon lustiger und entlarvender als manch anderer Kabarett-Abend: „Wie lange sind sie schon zusammen?“ „Es geht schon noch.“
Kreimeyer beherrscht perfekt, was Heinrich von Kleist „die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ nannte. Er greift die Impulse aus dem Publikum auf, stellt Zusammenhänge her – und landet bei Themen, von denen er selbst vorher keine Ahnung hatte. Und wenn man ihm dabei so zuhört, wird einem bewusst, wie lustig das Leben eigentlich ist. Nach zwei Eieruhrdurchläufen hat er eine derart gute Laune ins Publikum gezaubert, dass das Klingeln der Uhr geradezu gnadenlos erscheint. (Anne Fritsch)